3. Bericht: Spanien – La Coruña bis Vilagarcia im Ria Arosa ( 22.08.- 1. 09.)

Chiloë – trans art lantico         

3. Bericht: Spanien – La Coruña bis Vilagarcia im Ria Arosa ( 22.08.- 1. 09.)

Unser erster Mitsegel-Besuch kommt. Antonia (meine Nichte und Patenkind) verbringt eine Woche über ihren 18. Geburtstag an Bord. Nach der Biskaya bleiben uns nur ein paar Tage zur Vorbereitung und für immer noch unerledigte Büroarbeiten. Ich habe mit der Planung meiner Kulturreisen zu tun, Jens mit dem Steueramt (Zweitwohnungssteuer) und dem Amtsgericht wegen der Vertretung zur Betreuung seiner Mutter. Wieder nervt die Arbeit am Computer, immer wieder fliegen wir aus dem Netz.

Der Andrang auf die Waschmaschinen und den gratis Trockner ist groß, denn es gibt hier erstmals überwiegend Langzeitsegler und das Wetter ist sehr gemischt und feucht. Wir waschen nach Mitternacht, dann ist die Maschine frei! Allein an unserem Steg liegen Segler aus 8 verschiedenen Nationen. Hier sind wir keine Exoten mehr, die ein ganzes Jahr mit dem Schiff unterwegs sind. Im Gegenteil – wir haben nur ein Jahr Zeit und sind damit unter den Weltumseglern die bedauernswerte Ausnahme.

Ich hole Antonia am 25. vom Flughafen ab. Zur Eingewöhnung geht’s am nächsten Tag erst mal nur 3 sm um die Ecke zum Ankern in den Ria de La Coruña. Claus und Tim von der Kira haben die Crews der Rancho Relaxo oft the seas und der Tamora kennengelernt und ein gemeinsames Barbecue organisiert. Nun liegen wir mit vier Schiffen am Ankerplatz und sind mit 11 Personen zum Strandbarbecue verabredet. Wie schön – so lernen wir weitere Segler kennen und haben auch unserem Gast etwas zu bieten.

 

Wir alle sind fast zur gleichen Zeit in Deutschland losgefahren. Die Tamora mit Dieter und Silke von Travemünde aus, die Rancho Relaxo mit Heimathafen Vienna von Berlin aus. David aus Wien ist mit seiner Frau Gui (Guillermine) aus Buenos Aires und mit ihren Kindern Bruno (5 Jahre) und Viola (3 Jahre) für vier Jahre unterwegs. Viola schläft irgendwann in Mamas Armen ein, Bruno ist begeistert im Einsatz beim Lagerfeuer aus Treibholz. Die Kids werden dreisprachig (Deutsch, Spanisch, Englisch) groß und sind super ausgeglichene, zufriedene Menschen, schön sie zu beobachten.

 
Ein dreistündiges, superschönes Segeln am Wind (NW4-5) mit ordentlich Krängung und Speed bringt uns an den nächsten Ankerplatz. Das tut nach 6 Tagen ohne, richtig gut und wir atmen glücklich darüber tief durch. Antonia hält sich tapfer bei ordentlich Wind und Welle an der Kreuz.

Leider bleibt der Wind an den zwei folgenden Tagen, an denen wir Strecke machen (114sm) und ums Cap Finisterre in den Ria de Arosa fahren, größtenteils aus. Antonia tut das Motoren gut, denn ihre Segelerfahrung mit der Stella Maris, einem 25m Stahlschiff, auf Ijsselmeer und Ostsee sind doch ganz anders als das Segeln auf unserem bewegten 10m Boot in den hohen Wellen des Atlantik.

So feiern wir dann am 29.08. ihren 18. Geburtstag ganz entspannt bei Motorbrummen mit Kaffee und Kuchen auf dem sonnigen Vordeck. Eine besondere Geburtstagsfreude bringt uns dabei eine große Schule von Delfinen, die ausgiebig mit uns schwimmt.

Die nächsten Tage verbringen wir im Ria de Arosa. Er ist der größte der fjordartigen Flussmündungen in Galicien, dehnt sich über rund 30 km aus und bietet verschiedene Häfen und Ankermöglichkeiten. Von hier gibt’s auch eine gute Zugverbindung zurück zum Flughafen von La Coruña. Gerade rechtzeitig vor dem angekündigten Starkwind aus Süd mit schlechtem Wetter sind wir hier in einem geschützten Revier, das sehr an die schwedischen Westschären erinnert. Nur die hohen Berge (bis 800m) im Hintergrund verändern das Bild.


Im sonst eher langweiligen Santa Eugenia de Riveira entdecken wir neben dem Yachthafen riesige Fischauktionshallen. Die Sirenen, die wir unregelmäßig aufheulen hören (so viel Feueralarm?) – kündigen einlaufende Fischkutter und ihren frisch eintreffenden Fang an. Kistenweise werden Oktopus, Dorade und manch andere uns unbekannte Fische verkauft.

Am nächsten Tag ist das Wetter dann da: Grau, bewölkt und Regen über Regen bei 6 Bft aus Süd (wie in der Ostsee L). Alles Warten hilft nicht, wir müssen nach Vilagarcia, von wo Antonia am nächsten Morgen (1.09.) um 6 Uhr mit dem Zug abfährt.

Also rein ins Ölzeug, Leinen los und die Genua halb ausgerollt. Schließlich sind wir ja Segler! Außerdem sind es ja nur 8 sm und nach 2 Std. sind wir dann auch da. Der Hafenmeister kommt uns im Dingi entgegen und wie hier überall üblich, wird er uns wohl an unseren Liegeplatz geleiten – aber weit gefehlt, gestikulierend wird uns gesagt, dass es keinen Platz gibt. Auch der Hinweis auf sichtbare freie Plätze und Antonias Zugverbindung hilft nicht. Privatboxen werden hier während der Abwesenheit des Eigners nicht vergeben! Das begegnet uns später noch öfter. Als alles nichts hilft, behauptet Jens mit einer holländischen Yacht befreundet zu sein, an der wir dann längsseits festmachen, niemand an Bord ist (na ja, Die sind das Liegen im Päckchen doch wohl gewohnt J). Allerdings ist auch dies hier so ungewöhnlich, dass wir später ein schriftliches Einverständnis des Eigners beim Hafenmeister vorlegen müssen!  

Dieses graue Regenwetter hat weder etwas mit Sommer, noch mit unseren Vorstellungen von Spanien zu tun. Wir fragen uns, wann kommt bloß die heiß ersehnte Wettergrenze, die wir erst nach der Biskaya, dann nach Cap Finisterre erwarteten. Uns tröstet: auch die Spanier staunen über den ungewöhnlich schlechten Sommer.

Um 6 Uhr bringe ich anderntags Antonia zwar zum Bahnhof, aber zum Mitreisen im Zug bis Santiago de Compostela ist es mir doch zu früh. Nachdem wir mittags endlich einen passenden Liegeplatz bekamen, können Jens und ich dann auch gemeinsam per Zug landeinwärts reisen.

Ziel unserer Pilgerfahrt ist neben der berühmten Wallfahrtkirche natürlich ein Museum. Uns begeistert allerdings im Galizischen Zentrum für Zeitgenössische Kunst weniger die Kunst als vielmehr die Architektur von Alvaro Siza. Sein sensibler Umgang mit Raum und Licht schafft faszinierende Lichtspiele und inspiriert Jens zu einer Fotosession, die später eine ganz neue Reihe von abstrakten Bildern mit Licht und Raum in Architekturdetails zur Folge hat.

Wir genießen den Ausflug und ich freue mich, nachdem wir nun schon sechs Wochen reisen, mich endlich einmal als Tourist zu fühlen. Allerdings währt dieses Gefühl nur kurze Zeit, denn ich habe es eilig nach Porto und Lissabon zu kommen. Für meine Reisegruppe, mit der ich vom 17. -24. September auf den Spuren von Alvaro Siza durch Porto und Lissabon ziehen werde, möchte ich noch das Eine oder Andere vorab erkunden.   

One Response to “3. Bericht: Spanien – La Coruña bis Vilagarcia im Ria Arosa ( 22.08.- 1. 09.)”

  1. Sybille sagt:

    Liebe Ariane,
    ich freu mich sehr, dass es euch bisher soo gut ergangen ist. Und gut schaut ihr aus! Wenn ich den Regen vor dem Fenster sehe und die frühe Dunkelheit, kommt schon eine Sehnsucht nach Süden,Sonne und Meer hoch.
    Aber es sei euch von Herzen gegönnt!
    Es macht Spass, eure Reise so mitvrfolgen zu können, weiter so….
    Liebe Grüße auch von Konrad und natürlich an Jens!!!

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