5. Bericht: Portugal – Porto bis Lissabon ( 08.09.- 14. 09.)

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Chiloë – trans art lantico

5. Bericht: Portugal – Porto bis Lissabon ( 08.09.- 14. 09.)

In der Marina von Leixoës, unmittelbar neben dem großen Containerhafen, bleiben wir vier Tage. Bootswartung, Büroarbeiten und Vorbereitung für meine Studienreise sind angesagt. In Porto selbst gibt´s keinen Yachthafen, auch wenn der Douro schiffbar ist. Außerdem –sehr starke Strömung und keine Liegeplätze.

Hier treffen wir endlich Lutz und Armin, die mit der SY Jaqueline (Dehler 37) drei Wochen nach uns (am 6. Aug.) im gemeinsamen Heimathafen Großenbrode losgefahren sind und uns jetzt hier eingeholt haben. Über sms und email waren wir die ganze Zeit in Verbindung und konnten so das langsame Aufholen kommen sehen. Schon in La Coruna hatten sie uns nur knapp verpasst. Die beiden sind erfahrene Regattasegler und erheblich schneller unterwegs. Wir trinken erst mal einige Begrüßungsbiere und tauschen unsere Erfahrungen und Erlebnisse aus…

Mit dem Linienbus fahren wir eine Stunde ins Zentrum von Porto, eine gute Verbindung und das bis Mitternacht. Allerdings geht das Nachtleben in Porto um diese Zeit erst richtig los! Am Samstagabend entdecken wir das Viertel mit dem Nachtleben von Porto, zwei / drei parallele Straßen. Quer über eine Straße ist eine Bühne aufgebaut, der Soundcheck um 21Uhr klingt super. Kurz vor Mitternacht fängt aber leider erst ne Vorband an zu spielen, unser letzter Bus fährt um 0.15 Uhr, bis dahin haben wir vom eigentlichen Konzert noch nichts gehört! Aber trotzdem toll hier, die vielen unterschiedlich eingerichteten Kneipen – super, so was haben wir noch nicht gesehen! Wir steigen in den ersten Stock eines leer stehenden Hauses. Laser und LED geben den Räumen einen coolen Chick. Im nächsten Haus sind es spannende Reliefs als Wandverkleidungen, irgendwo gibt´s Kristallleuchter und modernes Möbeldesign, oder auch einfach Sand auf dem Boden, Sonnenschirm und zwei Tische; total vielfältig.

Porto ist Universitätsstadt und hat eine Altstadt, die seit 1996 Weltkulturerbe ist, aber immer noch vom Verfall bedroht ist. Von der Altstadt aus führt eine 60m hohe, zweistöckige Bogenbrücke über den Douro, unten auf 10m Höhe Autos und Fußgänger, oben auf 60m Höhe die moderne Stadtbahn und Fußgänger. Es ist spektakulär und prickelig tags, aber noch mehr nachts, über diese Brücke Dom Luis I zu gehen. Ich schau noch die goldüberladende Kirche der Franziskaner Bettelmönche und die Kathedrale an. Auf unserer Tour durch die Stadt besichtigen wir die Casa da Musica, ein polygonaler Betonbau („Klangkristall“) von Rem Koolhaas, der hier wie ein Meteorit eingeschlagen ist und ein paar interessante Innenräume hat. Ansonsten beschäftigt uns hier mehr die Architektur von Alvaro Siza, die Thema meiner Reise ist. Wir erkunden die Architekturfakultät in Porto und fahren mit dem Zug nach Aveiro um die dortige Uni mit Bauten von Siza anzuschauen. Zur Reise-vorbereitung zählt außer der Suche nach Architekturstandorten und Details aber auch ein schönes Dinner in Alvaro Siza´s Boa Nova Teehaus am Strand von Matosinhos. Schließlich müssen wir ja mal Probeessen und nebenbei ein Menü für meine Gruppe absprechen.

Am Sonntag nach einem letzten Einkauf geht’s um 17.30 Uhr weiter. Bis Lissabon sind´s 115 sm und die wollen wir zügig absegeln, mal wieder richtig Meilen fressen. Leider bleibt auch jetzt der Nordwind aus. Stattdessen müssen wir ein Hochdruckgebiet durchqueren. Das bedeutet erst mal motoren, gegen einen schwachen Südwind, der dann einschläft, die ganze Nacht durch und den nächsten Tag, 18 Stunden ohne Wind. Dafür aber ne ordentliche Dünung mit Wellen von 2 bis 3 Meter. Und reichlich diesig ist´s. In der Nacht kommt Nebel, dicker Nebel, doch von oben erhellt der Vollmond den Nebel. Unser A.I.S. Radar signalisiert zwar Schiffe, aber Fischerboote benutzen oder besitzen kein Radar und Fischerfähnchen, die hier zu tausenden (zur Markierung der Netze) herumliegen sind davon auch unberührt. Das bedeutet ständig Ausgucken, um die Trefferquote von Fischerfähnchen zu minimieren. Früh morgens, nach Monduntergang ist´s stockfinster, uns Jens, der jetzt Wache hat, reduziert erst mal die Fahrt und lässt mich ein Stündchen länger schlafen. Mittags kommt der ersehnte Wind auf der Südseite des Hochs, wir sind durch und mit 3-4 Bft aus Nordwest können wir dann endlich segeln. Abends machen wir in dem Fischerstädtchen Peniche fest, kochen, essen und schlafen. Morgens (13.09.) geht’s um 8 Uhr weiter nach Cascais, an der Flußmündung des Tejo, knapp 50sm noch. Jetzt segeln wir mit herrlichem Nordwind um die 4 Bft. und einer Dünung von 3 bis 3,5 m. Super, gigantisch diese langen atlantischen Wellen – die geschmeidig unter uns her rollen. Leider fotografisch kaum festzuhalten. Nachmittags brist der Wind auf und wir machen bei 5-6 Bft mit 1 Reff in Groß und in ausgebaumter Genua (G2) 6kn Fahrt! Und das noch bei strahlend blauem Himmel und warmer Sonne, traumhaft dies Segeln !! Ein paar Seemeilen vor Cascais sieht Jens einen schwarzen Punkt am Horizont, der sich ungewöhnlich schnell nähert – eine Regattayacht. Die Abu Dhabi, eine Volvo Ocean 70, rauscht mit unglaublichem Tempo an uns vorbei. Wie wir im Hafen hören, lief sie bei diesem Training bis zu 35kn (das sind fast 70 km/h!). Am 5.11. wird sie zum Volvo Ocean Race (round the world) in Alicante starten. „Wir rechnen dann ca 23. Tage bis Kapstadt“ sagte einer der Crew, den wir beim Check-in trafen. Oh je, da wären wir vielleicht gerade mal bei den Kanaren. Aber wir sind trotzdem mit unserer Chiloë sehr zufrieden, bei den Regattaschiffen zählt jedes Gramm, sie fahren mit minimalstem Wasser, ohne WC….ne ne) Vor der Hafeneinfahrt von Cascais verlangsamen wir unser Tempo, fasziniert vom explosionsartigen Aufprallen der Wellen auf die Hafenmauer. Mit Film und Foto stehen wir an Deck und versuchen die gigantisch spritzenden Seen im Bild festzuhalten. In der Marina Cascais erwarten uns Willem und Elsbeth. Die langjährigen Seglerfreunde von Jens sind mit der Spirit of Aeolus von den Azoren hergekommen und schwärmen uns von den Inseln vor und erzählen von ihren Motorproblemen. Am nächsten Tag zieht´s mich nach Lissabon. Es macht erst Sinn Mittags mit dem Strom den Tejo herauf zufahren, dass will ich mir nicht nehmen lassen. Kurz vor dem Ablegen treffen wir Mittags eine Kollegin von Jens, Regina Frank, die mit portugiesischem Mann und Tochter hier lebt. Statt nur auf ´nen schnellen Kaffee, bleiben wir den Rest des Tages zusammen. Wir nehmen Regina ein Stück flussaufwärts mit bis in den Hafen von Oeiras, sie kommentiert die Küste und gibt mir Tipps zu aktuellen Ausstellungen in Lissabon. Ihr Mann João erwartet uns bereits mit dem Auto am Hafen und wir beeilen uns heute noch ein erstes Museum (CCB) in Belém zu besuchen. Abends laden die Beiden uns zum Rissottoessen nach Hause ein – im Treppenhaus stutze

ich – gleich betrete ich seit 2 Monaten zum 1. Mal wieder in eine Wohnung, wie fühlt sich das wohl an? Keine Entzugserscheinungen ! Bleibe gelassen und wir freuen uns mal für einen Abend Gesprächspartner für Kunst und Kultur zu haben.

Am nächsten Morgen, Donnerstag (15.9.) fahre ich von Oeiras in 15 Minuten mit dem Zug nach Lissabon, während Jens, die passende Strömung abwartet und die Strecke mittags in eineinhalb Stunden fährt. Entspannt ziehe ich durch´s Museum der alten Kunst. Bevor ich nachmittags mit Jens gemeinsam die Ausstellung im Museu do Chiado, einem Museum für zeitgenössische Kunst im Gebäude eines ehemaligen Klosters ansehe. Hier wie später im Centro de Arte Moderna der Fondacion Gulbenkian gilt unser Interesse besonders der Konkreten Kunst. Wieder inspiriert die Architektur Jens zu neuer abstrakter Fotografie. Die Museumsaufsicht guckt argwöhnisch: was macht dieser Mann da? Fotografiert der die Überwachungskameras an der Decke? Ein Fall von Spionage? Das Fotografieren des Raumes wird verboten. Erst als Jens auf die Idee kommt, der Aufsicht die ungegenständlichen Fotos im Display zu zeigen, darf er weiter fotografieren.

Wir durchstreifen noch zwei weitere Tage Stadt, Museen und Expogelände, fahren mit der historischen Straßenbahn und gehen lecker Probeessen in einer völlig untouristischen Gegend. Am Samstagabend ist´s so weit: ich packe zum ersten Mal an Bord meine Reisetasche und bügle bisher ungetragene Kleider. Am Sonntag um 11 Uhr kommt meine Gruppe an und ich werde das Bordleben für 6 Tage mit komfortablen Hotels (in Lissabon und Porto) tauschen.

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