11. Bericht: Kanaren (3) La Gomera (21.11.-5. 12. 2011)

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La Gomera ist unser letztes Ziel auf den Kanaren. Nach zwei Wochen Lanzarote und weiteren zwei Wochen im sonnig-wüsten Süden von Teneriffa, genießen wir das Grün auf dieser Insel. Gleich am zweiten Tag treffen wir Thomas, einen langjährigen Bekannten von Jens, der seit 30 Jahren auf der Insel lebt und als Fotograf die Insel bestens kennt. Kurzentschlossen lassen wir uns von ihm mit an die Westküste der Insel, nach Valle Gran Rey, nehmen. Dieser Ort ist seit den 70er Jahren ein Ziel für Freaks und andere Touristen, man hört dort mehr Deutsch als Spanisch. Wir verbringen einen Tag und eine Nacht dort. Für Jens ist es nach vier Monaten die erste Nacht außerhalb von Chiloë. Das schöne Wellness-Apartmenthaus von Thomas und Romana ist ausgebucht und die privaten Gästezimmer sind von der Familie belegt. November ist Hochsaison hier. Als naturverbunden Reisende macht uns Thomas ein ganz exklusives Übernachtungsangebot: wir können im Bali-Haus auf der Finca übernachten. Auf dem Dach des Kleinbusses holen  wir zwei Matratzen aus seinem Haus und dann geht’s zur Finca. Ach ja – eine Finca ist nur ein Grundstück, kein Haus und ein Bali Haus ist ein offener Pavillon ohne Wände. Außerdem ist da gerade Baustelle mit Hochbetrieb. WC und Waschbecken sind soeben angeschlossen, Licht gibt’s noch keines, Natursteine werden verlegt. Ein Idyll  – wenn´s fertig ist, durchaus absehbar. Jens schaut mich fragend an – ja wir bleiben hier. Wir schieben Werkzeug zur Seite, fegen einmal durch und suchen uns Materialien aus denen Jens schnell einen Windschutz für unser offenes Domizil baut. Unsere beiden Schlafsäcke werden mit dem Reißverschluss vereint, Wolldecke rein, Taschenlampe besorgt und dann geht’s erstmal zur Promenade einen Drink nehmen und aufs Meer schauen. Der Abend wird lang. Nach einem Fischessen sitzen wir mit Thomas und Familie in der Gomera-Lounge zusammen und erzählen bei Wein und Bier. Als fast letzte Gäste verlassen wir die Lounge und verkriechen uns in unserem Schlafsack in der balinesischen Hütte. Zum Glück hat der Wind nachgelassen. Die nahe Straßenlaterne würden wir am liebsten ausschießen, um den Sternenhimmel und Sichtschutz zugenießen. Die Nacht und die Romantik sind kurz – um 7.30 Uhr kommen die Arbeiter und legen los.  Wir verziehen uns zum Frühstück an die Promenade – zum Baden im Meer sind die Wellen heute zu hoch.

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Gerade mal eine Nacht weg – und wir sehnen uns nach unserem Zuhause. Bus und Schiff fahren nur dreimal täglich und das zur fast selben Zeit. Wir nehmen das Schiff, es umrundet die halbe Insel in knapp einer Stunde, während der Bus quer über die Insel eineinhalb Stunden braucht. Wir genießen es  wieder an Bord zu sein,  wie angenehm ist unser Leben hier, mit eigener Küche und kompletter Einrichtung. Wir freuen uns, wieder an unsere täglichen Aufgaben gehen zu können. Jens findet hier endlich Ruhe, um eine Videopräsentation der Transartlantico-Ausstellung in Hamburg zu schneiden. Mit Musik und Texten unterlegt ist es eine aufwendige Arbeit, die mehrere Tage dauert. Ich mache mich derweil ans Abheften von Belegen, Bericht und Haushaltsbuch schreiben. So geht die Zeit dahin und nach 9 Tagen im Hafen wünschen wir uns mal eine Abwechslung, eine schöne Ankerbucht vielleicht, viel Natur und dergleichen. Außerdem muss das Unterwasserschiff tauchend kontrolliert und gereinigt werden und das ist angenehmer im Meer als im Hafen und so machen wir die Leinen los und motoren die Küste entlang Richtung Süden.

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„Welcome in paradise“, so begrüßt uns eine hübsche, nackte Litauerin am Eingang zu ihrer Wohnhöhle und bittet uns hereinzukommen und Platz zu nehmen. Vom Schiff aus sahen wir drei oder vier offensichtlich bewohnte Höhlen in der Felswand am Strand. Wir sind neugierig, doch wie können wir mehr erfahren? Wir entscheiden uns für die offensive Variante, packen Wasser, Fanta und Bier ein und steigen in der ortsüblichen Tracht ins Schlauchboot und paddeln an den Strand. Wir liegen in einer großen offenen Bucht und ankern nur 100 m vor dem abgeschiedenen Kiesstrand. Die junge Litauerin erzählt: sie lebt hier seit 3 Monaten mit ihrem Gefährten, der sich nach einer Weile von seinem Lager im hinteren Teil der Behausung erhebt und zu uns setzt. Nach 40 Fastentagen sieht er recht ausgemergelt und alt aus. Auch ohne großes Mobiliar ist die Höhle recht wohnlich, die Deckenwölbung ist mit getrockneten roten und gelben Bougainvillea dekoriert dazu hängen noch Traumfänger, hübsche Ketten und Tücher von Decke und Wänden. Aber sie wollen auch bald weiterziehen und zu Weihnachten nach England fliegen.

Beim Strandspaziergang bei Niedrigwasser finden wir Whirlpools und vielfältige kleine Wasserbassins mit Fischen und Krebsen, echt paradiesisch!
Jens macht sich daran das Unterwasserschiff zu schrubben und den Rumpf vom grünen Algenfilm zu befreien. Leider müssen wir den paradiesischen Ort kurz nach Einbruch der Dunkelheit verlassen. Der Wind und vor allem der Schwell hat zugelegt. Wir schaukeln so hin und her, dass kein Glas mehr auf dem Tisch stehen bleibt und ich seekrank werde. Wir brechen das Kochen unseres Dinners sofort ab, verstauen alles seeklar und fahren zurück in den Hafen.

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In San Sebastian ist inzwischen die SY Tamora eingetroffen. Seit Lissabon hatten wir Silke und Dieter nicht mehr gesehen und so gibt es nach dem etwas verspäteten Rouladen-Essen ein fröhliches Wiedersehen und viel leckeren Rotwein.  

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Am Samstag geht’s  auf den Markt. Da wir unsere Abfahrt zu den Kap Verden wegen des angesagten Starkwindes um ein paar Tage verschoben haben, kaufen wir nun noch einmal  Mal frisches Obst und Gemüse nach. Den eigentlichen Großeinkauf von ungekühltem und daher auch ungekühlt lagerbarem Obst und Gemüse hatten wir bereits eine Woche zuvor auf dem Markt in San Sebastian gemacht. Dieser Einkauf machte großes Vergnügen, weil es eine abwechslungsreiche Auswahl an Obst gab, sondern auch, weil wir dies und Vollkornbrot und leckeren Kuchen auf dem Markt kauften und dabei von der Schweizer bestens auf deutsch beraten wurden.  
 
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Während wir uns und die Chiloë in San Sebastian auf unsere erste längere Atlantiketappe vorbereiten, gibt es im Hafen noch zahlreiche Ruderer, die von früh bis  spät mit der Vorbereitung ihrer Atlantiküberquerung beschäftigt sind. Atlantic Challenge  – die härteste Ruderregatta der Welt  – so nennt sich dieses Unternehmen ganz zu recht.  Rund 50 Ruderer, darunter 8 Frauen, rudern jetzt von La Gomera nach Barbados. Der helle Wahnsinn – in schmalen nur etwa 1m hohen Regattaruderbooten über den Atlantik! Es gibt Einer, Zweier und Dreier, die jeweils mit doppelter Besatzung gefahren werden. Sie machen 3 bis maximal 4 Knoten Fahrt, das bedeutet rund 100 Tage nichts anders als rudern und schlafen. 5000 Kalorien am Tag in Form von Astronautennahrung bildet die Grundlage ihrer Ernährung. Die Boote haben zwar eine gute technische Ausrüstung, aber trotzdem sind sie klein und niedrig wenn sie durch die 2-4 Meter hohen Wellen rudern.

 

Wenn uns bisher auch meistens Segler mit größeren Schiffen auf Langfahrt begegneten, seitdem wir in Nachbarschaft mit diesen Ruderbooten leben, wissen wir: wir haben ein wunderbar großes bequemes ´Wohnmobil´ mit dem wir reisen. Und auf dem Atlantik sind wir hierdrauf auch sehr gut geschützt und sicher. Im Übrigen: keiner der Segler hier kann sich vorstellen, mit einem Ruderboot über den Atlantik zu fahren. Heute Mittag (Mo 5.12.) ist dann der Start mit großer Verabschiedung von der Mole und vielen Yachten die mit zur Startlinie rausgefahren sind.

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Dank unserer verschobenen Abreise zu den Kap Verden gelingt noch ein Treffen mit Freunden aus der Hagen. Und es bleibt nicht aus, dass Sabine und Thomas ein paar Kilo Zusatzladung bekommen. Im Internet bestellte Akkus, Visitenkarten und Bücher und vor allem die ersten extra früh gebackenen Weihnachtsplätzchen von Mutter Ursula werden direkt am Fähranleger beim Umsteigen überreicht. Schön, dass die Beiden dann an ihrem ersten Urlaubstag nochmal quer über die Insel fahren, um uns mit etwas mehr Zeit zu treffen und die Chiloë anzusehen.    

 

Wir wenden uns danach wieder unseren Vorbereitungen zu, beinahe aus den Augen verloren, denn wir wollen ja Morgen auch los. Wie immer gibt es noch tausenderlei Dinge zu erledigen, zu besorgen, zu reparieren, zu telefonieren und die Post muss auch noch raus…

800 sm (ca. 1.500 km) sind es bis zu den Kap Verden, da werden wir sicherlich 7 – 8 Tage auf See sein, also bis bald.   

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