13. Bericht: Kap Verden – Sal (12.- 18.12.2011)


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Der Fischerort Palmeira liegt im Norden der Insel Sal, der nördlichsten Insel der Kap Verden. Wir hatten uns wegen des angekündigten Starkwindes mit ungemütlich hohem Seegang für Sal entschieden. Wir kommen noch im Hellen an in der großen Hafen-Bucht, in der bereits rund zwanzig andere Segelschiffe ankern. Kaum liegen wir vor Anker, haben wir schon den ersten Besuch.  Ein junger Deutscher von der Yacht aus Hamburg, die vor uns liegt,  rudert auf dem Weg nach Hause bei uns vorbei. Nach 10 Minuten lernen wir seine Freundin kennen, sie leben auf zwei Booten und haben ein einjähriges Kind zusammen. Er fährt auf seinem 26 Fuß Boot allein und sie, eine attraktive selbstbewusste Belgierin, lebt mit Kind und Hund sowie den gesamten Lebensmittel- und Wasservorräten der Familie auf ihrem eigenen nur unwesentlich größeren Boot. Ein recht ungewöhnliches Lebensmodell.

Nach Einbruch der Dunkelheit essen wir noch ´ne Suppe und um halb Zehn fallen wir bereits ziemlich müde in unsere Koje, nach 6 Nächten im 3 Stunden-Takt kein Wunder. Erst mal ausschlafen – und das gleichzeitig! Am nächsten Morgen kommen Ton und Jerry von der SY Argo zu uns an Bord und da lernen wir die Beiden erst persönlich kennen. So bekommt die freundliche Stimme von Ton, die uns während der Seereise über Funk begleitet hat ein Gesicht.

Danach gibt´s erst mal einige Dinge zu erledigen. Wir müssen einklarieren und mit den Pässen zur Immigration; Europa haben wir jetzt endgültig verlassen. Außerdem brauchen wir Geld, kapverdische Escudos. Jens macht das Beiboot klar: auspacken, aufpumpen und zu Wasser lassen, Außenborder dranhängen, einmal ziehen, läuft (seit Lissabon ganz prima).

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In diesem Fischerort gibt’s keine Bank. Geld wechselt man gebührenfrei und unkompliziert im Baumarkt. Der Besitzer braucht Devisen, um die importierten Waren zu bezahlen. Für beide Seiten kein schlechtes Geschäft, wir sparen immerhin 6 Euro Gebühren, die jedes Geldabheben kostet. (Um dem zu entgehen, hatten wir übrigens ein Reisekonto bei der Postbank eingerichtet, in der Annahme weltweit bei Postämtern gebührenfrei Geld abheben zu können. Das war leider ein Irrtum.)

Der Ort ist überschaubar, so  finden wir das Polizeibüro leicht in einer der namenlosen Staubstraßen. Im fast kahlen Büro sitzt ein uniformierter Polizist vor seinem Schreibtisch und schaut Fußball auf Sport TV. Bedeutungsvoll schließt er den stählernen Aktenschrank auf und holt Stempel und Formulare hervor, die wir ausfüllen. Wir zahlen 10 Euro für 2 Personen und bekommen eine Quittung. Das da nur 5 Euro quittiert werden, geht uns erst auf, als Ton uns später berichtet, er habe nur 5 Euro gegeben und das sei in Ordnung gewesen. Nun, da gab´s also ein Trinkgeld. Euros sind eine Schattenwährung in dem seit 1975 von Portugal unabhängigen Land.

Palmeira ist keine Schönheit, ein wachsender Fischerort. Die vielen unverputzten Häuser aus Betonstein wirken unfertig, tatsächlich sind sie aber bewohnt. Die kleinen „Tante Emma-läden“, das Internetcafe oder die zwei drei Kneipen, sehen wir erst mit der Zeit.  Rund 20 Segelboote ankern neben einigen Fischkuttern in der großen, vor dem atlantischen Schwell geschützten Bucht. Auf einem  Baggerschiff wird 7 Tage die Woche von früh bis spät gearbeitet. Hinter dem verwilderten Strand türmen sich Öltanks von Shell. Von dort aus wird gerade eine Pipeline nach draußen gebaut, sodass zukünftig auch größere Tankschiffe auf Reede liegen und von dort aus Treibstoff für den internationalen Flughafen liefern können.   kl-palmeiraoltanks2.jpg

 

Ich hatte mir die Kap Verden etwas anders vorgestellt. Doch wir können nicht weiter, ist´s draußen doch immer noch ungemütlich mit viel Wind und Welle. Eigentlich wollen wir so schnell wie möglich nach Mindelo auf Sao Vicente, um die SY Rancho Relaxo nochmal zu sehen, bevor sich unsere Wege endgültig trennen und sie über den Atlantik in die Karibik lossegeln. Und jetzt liegen wir hier vor dieser Wüsteninsel und der Himmel ist meist dunstverhangen grau, unser Schiff und alle Leinen färben sich langsam aber deutlich rostrot, der staubige Wind bläst Tag und Nacht. 

Von der Wüsteninsel Sal sehen wir bei halbwegs guter Sicht ein paar vulkanische Berge, wenige Bäume und einen verwilderten Sandstand. Das trübe Wasser lädt nicht zum Baden ein. Wir internationalen Ankerlieger kennen uns bald und bilden eine Art Vorort. Am dritten Tag begrüßt Jens einen auf uns zukommenden Katamaran mit dem lockeren Spruch „Na wollt ihr längsseits kommen?“ Die deutsche SY Rufus II ankert dann mit mehr Abstand als gedacht neben uns und Marion und Harald sind uns in kürzester Zeit sehr liebe Nachbarn. Schon am nächsten Tag erkunden wir gemeinsam mit ihnen und Ton und Jerry von der SY Argo die Insel.

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Mit einem Aluguer (Sammeltaxi) fahren wir in den Süden nach Santa Maria und auf Marions Wunsch zu den Salinen. Bei blauem Himmel und Sonnenschein genießen wir den Sandstrand in Santa Maria und stürzen uns in die Wellen.

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Anschließend bummeln wir durch den Ort und finden zum Mittagessen ein Restaurant, wo offensichtlich alle Taxifahrer des Ortes essen. Das muss ja gut sein und vor allem völlig untouristisch, jedenfalls ist die einheimische Küche günstig, 3,50 € für den Mittagstisch. Bohnen Reis und gemischtes Fleisch mit viel Leber war dann allerdings doch etwas gewöhnungsbedürftig.

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Nachmittags fahren wir in den Osten zu den Salinen. Eine Geisterstadt, die Saline wurde nach starker Verringerung des Salzexportes ind den 70er Jahren 1984 aufgegeben. In einem großen Krater des Vulkans Pedra de Lume liegen die Becken der heute nur noch minimalen Salzgewinnung, das Meerwasser stieg mit der Tide von unten in den Krater (sehr praktisch). In den 20er Jahren wurde eine 1100m Seilbahn zum Transport ans Meer gebaut. Die Holzkonstruktion beeindruckt uns.

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Jens und ich nehmen ein Solebad und staunen nicht schlecht wie uns das konzentrierte Salzwasser trägt.

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Zum Sonnenuntergang entwickelt sich ein fantastisches Landschaftspanorama im schönsten Licht. Zurück in unserem Fischerort sehen wir Palmeira mit anderen Augen. Kein Traumstrand und kein Bilderbuch-Ort, doch ein Flecken authentischer kapverdischer Lebenswirklichkeit, jenseits des Tourismus. Wo findet man das?

Am nächsten Tag zahlreiche Vorbereitungen für unsere Weiterfahrt. U.A. Installation einer neuen Verstärkerantenne Pico-Station, mit der wir deutlich verbesserten Internetempfang haben.  Jens uns Harald sitzen dazu Stunden am PC, während Marion und ich aus unserem Leben erzählen. Abends gemeinsam zum Dorfgrillen, Neu Eröffnung einer Kneipe, bei der es stiller als gewöhnlich zugeht, da Cesaria Evora vor wenigen Stunden gestorben ist. Seit langem schätzen Jens und ich diese kapverdische Sängerin, die mit ihrer Musik eine Botschafterin und Symbolfigur der Kap Verden in der Welt war.

Am  Hafen gibt es ein öffentliches Badehaus und am Sonntag wollen wir Duschen. Schon auf den Kanaren hatten wir aufgehört uns über kalte Duschen zu grämen. Hier auf den Kap Verden ist Wasser ein äußerst kostbares Gut. Es wird ausschließlich in Meerwasserentsalzungsanlagen gewonnen. Hier stellt wir uns nicht die Frage kalt oder warm, sondern Wasser oder nicht, denn kalt ist es allerorten. Dennoch ist das Badehaus ein Erlebnis. Für Damen und Herren getrennt gibt’s jeweils zwei Toiletten und daneben ohne Türen zwei Duschen. Die verantwortliche Reinemachfrau gibt Jens und mir ein Zeichen, dass wir (ein Paar) bei den Damen duschen können. Nach kurzem Warten sind sie frei. Jens stellt eine an die Wand gelehnte Tür vor den Durchgang und wir verschwinden in den beiden nebeneinander liegenden gekachelten Duschräumchen. Das kalte Wasser hat einen satten Strahl, das ist das wichtigste, auf alles weitere können wir getrost verzichten.

Frisch geduscht machen wir uns dann auf den Weg, zur nächsten Insel nach Sao Vicente. Der Wind und vor allem die Wellen haben sich auf ein erträgliches Maß reduziert, so dass wir mit 4-5 Windstärken segeln können.  Mindelo, die Hauptstadt der Insel, ist unser Ziel, hier gibt´s  die einzige Marina der kapverdischen Inseln, d.h. vor allem einen Hafen mit Landstrom. Und außerdem warten dort Post und  Päckchen  mit einer neuen Reffleine von Liros und andere Weihnachtspäckchen mit selbstgebackenen Plätzchen auf uns!

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