20. Bericht:Bahia de Salvador / Itaparica

Mit Sonnenaufgang holen wir den Anker auf und motoren ohne Wind gen Südwesten. Heute Mittag wird die Sonne genau 90° über uns, im Zenit stehen. Eine Tag- und Nachtgleiche der besonderen Art. Auf dem Weg vom südlichen Wendekreis (23,5 °S) zum Äquator wandert der sogenannte Bildpunkt der Sonne (der Punkt, in dem die Sonne genau 90° senkrecht steht) alle 4 Tage einen Breitengrad weiter nördlich um die Erde (d.h. er rast mit ca. 1600 km/std .in 24 Std. einmal um die Erde) Heute haben wir seine Bahn gekreuzt (kam gerade knapp hinter uns durch…) und nun sind wir auch ‚sonnentechnisch’ auf der Südseite angekommen.

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Mittags kommt eine angenehme Brise auf und wir können Segel setzen. Tagsüber haben wir dann meistens 3-4 Bft und nachts 4-5 Bft , inkl. 1 kn Schiebestrom macht das 5-6 Kn über Grund. Die Eintragungen im Logbuch sagen: „herrliches Segeln mit halbem Wind“ (12.2.) und :“Super Segeltag bei angenehmem Wind und Welle“(13.2.), und so segeln wir am Morgen des Valengtinstages in die Bahia de todos os Santos (Allerheiligenbucht) hinein, an der Millionenstadt Salvador vorbei (Die Polizei streikt und man berichtete von gefährlichen Unruhen auf den Straßen), direkt zur Nordspitze der Insel Itaparica, denn dort gibt es eine kleine Marina und davor eine schöne Ankerbucht, die wir schon mehrfach empfohlen bekommen haben.

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Und sieh an – alle sind schon da: die SY Santana, SY Sandpiper und auch die SY Betty Boop, die alle mit uns von Mindelo aus gestartet waren, die halbe SSB-Funkrunde (siehe Bericht Atlantik) Großes Wiedersehen, gleich verabreden wir uns für den nächsten Tag, um alle gemeinsam mit dem Taxi zum großen Supermercado mitten auf der Insel zu fahren. Na, das ist ja ein schöner Empfang!

 

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Itaparica aus der Luft. Copyright: Leon Philibien (SY La Matine)

 Die Situation in Salvador wird heftig diskutiert. Die Meldungen schwanken zwischen ‚Mord und Totschlag auf den Straßen’ bis hin zu ‚ Alles gar kein Problem, das ist nur in den Favelas’. Sandpiper und Santana fahren trotzdem nach Salvador, Ach ja, es geht natürlich um den berühmten Karneval, der vor der Tür steht. Wir beschließen mit dem Schiff erstmal in Itaparica zu bleiben, am schönen und kostenlosen Ankerplatz und mit einigen Anderen abends mit der Fähre nach Salvador rüber zu fahren. Mittags dann die Meldung: „der Streik ist seit 4 Tagen vorbei, alles kein Problem und so findet sich ein äußerst internationale Gruppe von Seglern an der Fähre zusammen. Da sind Brian (Ire) und seine Frau Marta (Brasilianerin), Juan (Spanier) ist mit Jane (Neuseeland) verheiratet, Dan (Australien) und schließlich Chris (Südafrika) dessen Eltern hier ein Restaurant betreiben. Wir sind froh alsNeuankömmlinge dabei zu sein, vor allem auch weil Marta als Guide fungiert und die Kommunikation in Portugiesisch übernimmt. Außerdem ist man in einer Gruppe recht sicher.

Die Musik wummert bereits durch die Stadt und ist schon weit vor dem Hafen zu hören. Die Anderen wollen noch ein paar Bekannte in der Marina besuchen und so landen wir auf einer großen französischen Yacht, schnell sind 15 Personen im Cockpit und es entwickelt sich eine spontane Party. Eine große Schüssel!! Caipirinha wird angesetzt,die Bordmusik wird aufgedreht und die Stimmung steigt. Unsere Sprachkenntnisse sind mal wieder stark gefordert, hauptsächlich Französisch und Englisch, aber es ist auch ein Schweizer dabei, so dass zwischendurch auch noch etwas  Deutsch  gesprochen wird.

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 Drei Stunden später ziehen wir dann alle zusammen los, von den Gastgebern noch mit bunten Perücken ausgerüstet geht’s ins Getümmel des Pelerino (Altstadt). Zunächst kamen wir uns etwas komisch vor mit den Perücken, denn von den Zuschauern ist kaum jemand verkleidet, aber im Gedränge erweisen sie sich schon bald als markante Blickpunkte um die Anderen immer wiederzufinden. Marta organisiert einen richtigen Karnevalsguide, denn wir suchen die berühmteste Truppe OLODUM, die heute hier unterwegs sein soll. Es geht hin und her durch die Altstadt, über viele Plätze, alles scheint sehr unübersichtlich, überall Bands, Wagen, und Tanzgruppen, gelegentlich bleiben wir stehen und schauen einen Moment lang zu.

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Schließlich kommt auch Olodum mit mehreren Tanzgruppen in tollen Kostümen und einer großen Percussiongruppe hintendran. Olodum ist als politisch aktive Tanz- und Musikgruppe seit vielen Jahren eine feste Größe in Brasilien und besonders beim Karneval in Salvador. Ja und dann erlben wir erstmal die richtig großen Trio’s, die fahrenden Bühnen-LKW’s. Ich versuche Ariane etwas ins Ohr zu schreien, aber das ist aussichtslos, sie versteht nichts. Man muß einfach warten bis der Trio ein Stück weiter gefahren ist. Die sollen da mehr als 100 000 Watt drauf haben und das ist durchaus glaubwürdig.

 

Nachts um halb drei treten wir langsam müde den Rückweg an. Mit Taxi, Fähre und Sammelbus sind wir um 4 Uhr wieder an Bord, Wow!

 

Am nächsten Morgen finden wir dringende sms von Arianes Schwester und erfahren beim Anruf, dass ihr Vater ins Krankenhaus gekommen ist, der Zustand ist kritisch. Sofort schauen wir im internet nach Flügen, aber ihr Schwager Michael (selber Arzt) rät noch 2-3 Tage abzuwarten, wie sich sein Zustand entwickelt. Der wird zunächst besser und Ariane kann am Sonntag kurz mit ihrem Vater sprechen (über Skype). Am Montag buchen wir dann doch einen Flug für Dienstag Abend, aber schon morgens am Dienstag erreicht uns die Nachricht von seinem Tod. Wie gut, dass wir den Flug schon gebucht haben. Ariane packt das Nötigste und ich begleite sie noch mit der Fähre bis zum Hafen von Salvador. Dort verabschieden wir uns das erste Mal seit 7 Monaten und sie steigt in ein Taxi zum Flughafen. Morgen Abend wird sie in Deutschland sein.

 

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