22. Bericht – Es geht weiter – von Salvador bis Guarapari

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Eine frische Brise weht aus Ost in die Bahia, Chiloe liegt ordentlich auf der Backe. Hoch am Wind kreuze ich auf nach Salvador. Trotz guten 4 Bft. gibt es praktisch keinen Seegang, angenehm, sitze auf der hohen Kante und steuere von Hand, fühlt sich wunderbar an, nach der langen Zeit vor Anker in Itaparica.

Heute Abend kommt Ariane zurück aus Deutschland und ich will sie natürlich vom Flughafen abholen – da kommt gerade eine sms – sie hat den Anschlussflieger in Lissabon gerade noch erreicht, aber ihr Gepäck ist nicht dabei, oh je…

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Ich habe Zeit genug und verzichte auf dem Hinweg auf das Taxi, schwinge mich in den Bus ( 2,50 € statt 35,- €). Rushhour, Stau wie auf der A40, immerhin habe ich einen Sitzplatz ergattert und werde eineinhalb Stunden durch die Stadt und verschiedene Vororte geschaukelt. Sight seeing der anderen Art und volles Kontrastprogramm zu Itaparica. Lange nach allen anderen Passagieren (wegen dem fehlenden Gepäck) kommt sie aus der Tür. Es ist fast Mitternacht und nun nehmen wir ein Taxi und sind dann gut eine halbe Stunde an Bord, wo wir noch die halbe Nacht im Cockpit sitzen und erzählen.

Samstag 10.03. Salvador de Bahia

 

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Wir wollen auf den großen Markt von Sao Joaquin, ein alternativer Tipp aus dem Reiseführer. Außerdem brauchen wir Obst und Gemüse. Wir fragen eine ältere Frau an der Haltestelle nach dem richtigen Bus – ja, hier, sie fährt auch dorthin. Beim Aussteigen in einem etwas heruntergekommenen Hafenviertel zeigt sie auf ein paar Marktstände an der Straße, wir schauen uns fragend an, gehen langsam, zweifelnd rüber und tatsächlich, wie ein orientalischer Bazar zieht sich der Markt durch viele Gassen der favelaartigen Bebauung.

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Wir kaufen reichlich Obst und Gemüse (Mango, Ananas, Bananen, Kaki, Limonen, Apfelsinen und Möhren, Chu Chu)  und Würste beim Metzger.   

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Mittlerweile hungrig, stolpern wir mittendrin über ein kleines open air „Restaurant“, wo es gegrillte Hähnchen gibt. Hmm, mal sehen, der Preis von 18  Real (ca.8 €) scheint uns zunächst hoch, aber das ist für zwei Personen und mit Beilagen, wie sich herausstellt. Nach äußerst leckerem Mahl sind wir pappsatt und lassen uns den Rest des Hähnchens noch einpacken. Ich glaube in Brasilien sind die Hühner größer…

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Abends wollen wir ins Museum für moderne Kunst MAM, dies hat Samstags bis 21 Uhr geöffnet. Das historische Gebäudeensemble ist dezent beleuchtet, viele Menschen auf dem Vorplatz – wollen die alle ins Museum? Eine Veranstaltung? Wir fragen uns durch… Nein, das Museum hat zu!? Aber es gibt heute Abend Jamomam, ein open air Jazzfestival auf dem Gelände direkt am Meer. Wir erwerben zwei Eintrittskarten und mischen uns unter die Leute. Schöne Atmosphäre, lichtfarbiges Bühnenbild mit Videoscreen und Liveprojektion (spontane Zusammenschnitte mehrer Kameras + externer Filmsequenzen). Einige Stände mit Cocktails, Bier und Fingerfood. Und gute Jazzmusik, wir fühlen uns wie in Europa. Verschiedene Bands und Gastmusiker spielen bis spät abends.

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Montagmittag (12. 03.)  kommt das Gepäck, schon vor 9 Uhr ein Anruf und um 12 Uhr steht ein Bote mit dem Koffer auf dem Steg. Und dann ist Bescherung… wie Weihnachten: ein neuer elektrischer Autopilot, Blöcke, Zündkerzen und Impeller für den Außenborder, aber natürlich auch Leckeres: Vollkornbrot, Haribo, Aperol und vieles mehr. Kleidung war in diesem Gepäck Nebensache und wurde hauptsächlich zum Verpacken und Polstern genutzt. Nachmittags motorsegeln wir dann zurück nach Itaparica. Am Dienstag zeige ich Ariane, welch interressantes Kunstprojekt ich entdeckt habe und wir machen noch einen kurzen Besuch bei Zacatar Arist Resdency und einen letzten Einkaufs-Rundgang durchs Dorf.

Am Mittwoch (14.03.) geht’s endlich weiter. Früh um 6 Uhr aufstehen und um 7 Uhr den Anker aufholen. Es sind ca. 40 sm bis Morro de Sao Paulo (Morro ist ein Berg, und nicht zu verwechseln mit der Stadt Sao Paulo). Ein kleiner Tagestörn zum wiedereingewöhnen. Abends, kurz vor Dunkelheit, segeln wir in eine landschaftlich sehr schöne Flußmündung und ankern neben der SY Santana (NL) vor dem Fischerdorf Gamboa. Jan und Trees hatten uns mit ihrer 54 Fuß Yacht natürlich überholt. In den nächsten Tagen entdecken wir gemeinsam die sehr abwechslungsreiche Umgebung. Da ist der Ort Morro de Sao Paulo, sehr schön, sehr touristisch und ziemlich viele Leute. Zurück laufen wir an einem wunderschönen Strand mit einem rosa Felsen, dessen Sandschlamm gut für die Haut sein soll und alle Frauen beschmieren sich von Kopf bis Fuß damit, um schön zu sein!

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Gleich dahinter entdecken wir ein fantastisches Strandlokal. Leider haben wir nur noch 55 Real und die kostet ein Fisch für 2 Personen. Wir einigen uns mit der Köchin darauf, dass sie uns einen besonders großen Fisch „für 2 Personen“ macht, der dann gut für uns 4 reicht. Ich finde noch einen Schein in der Hosentasche und dann gibt es  sogar noch leckere Drinks aus frisch gepressten Früchten, genannt Sucos, dazu.

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Am Sonntagnachmittag machen wir einen Ausflug und fahren mit unserem Schiff auf die andere Seite des Flusses, wo es einen menschenleeren Traumstrand am Meer gibt. 

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Am Montag gehts dann zum Einkaufen in die nächste Stadt. Mit einer Lancha Rapida fahren wir flussaufwärts nach Valenca. Eine Kleinstadt ohne Touristen mit Markt und Fischern, die ihre Netze am Ufer reparieren. Hier finden wir, was wir brauchen, sogar einen neuen Inverter (der alte hatte kürzlich den Dienst eingestellt). Zum Glück, denn sonst wäre Berichtschreiben auf dem PC gar nicht mehr möglich.

Mittwoch 21.03.12

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Mit frischen Früchten beladen starten wir zum 2-Tagestörn zu den Abrolhos, einer vorgelagerten Inselgruppe. Nach sehr angenehmen und problemlosen 240 sm fällt der Anker auf knapp 10m Wassertiefe vor Sao Barbara, mal wieder neben der SY Santana. Wir werden sehr freundlich von einem Mann im roten Schlauchboot zum Ankerplatz dirigiert und bekommen sofort die erste Einweisung ins militärische Naturschutzgebiet: Betreten der Inseln verboten, bis auf eine, die aber auch nur in Begleitung eines Guides vom Nationalpark zu besuchen ist. Schwimmen, Schnorcheln, Tauchen und Ankern, sowie mit dem Dinghi herumfahren ist aber erlaubt. Man kann also in 20 cm tiefem Wasser auf dem Sand sitzen, aber man darf das Wasser nicht verlassen, eine etwas komische Situation.

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Mit zwei Damen vom Nationalpark haben wir schnell eine Besichtigung der Insel Siriba für den nächsten Morgen vereinbart. Um 10 Uhr geht’s los, jeder mit seinem Schlauchboot. Wir landen auf dem kargen Eiland mit genau 9 Palmen und bekommen einen Vortrag über die Inselbewohner: hunderte von  Basstölpel und einige Fregattvögel, die wohnen aber eigentlich auf der Nachbarinsel.

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Die Seevögel sitzen nur 1-2 m vor uns; Mütter mit weißpelzigen Jungen oder noch brütend, meist auf zwei Eiern.

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Anderen können wir bei erstaunlichen Flugvorführungen zuschauen: sie schwebend mit dem Wind und kurven bis dicht über die Wasseroberfläche oder andere stürzen sich aus 30-40 m Höhe herab und tauchen wie ein Stein ins Wasser, um kurz danach (der Fisch wird schon unter Wasser verschluckt) wieder aufzusteigen. Nach der Inselumrundung verabschieden sich unsere Guides. Wir machen die Dinghis ca. 30m Meter vor dem Strand an Mooringbojen fest und erkunden dann die Unterwasserwelt.

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Sogleich sichten wir einen Rochen und einige große Schildkröten und viele bunte Fische, vor allem blaue und gelbe ( …man erkennt sofort meine Kompetenz in Sachen Fauna…).

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Am nächsten Morgen laufen die SY Aldo und SY Runaway in die Bucht, die Großfamilie ist wieder beisammen.


Nach drei Tagen ziehen wir alle gemeinsam weiter. Guarapari heißt das nächste Ziel. Unsere letzte mögliche Bucht vor einem 100 sm langen Abschnitt, an dem es bis Cabo Frio keine Ankermöglichkeiten mehr gibt. Wir sind zu schnell, nachts wollen wir nicht in die felsige Bucht einlaufen und so fahren wir langsamer. Aber dann kommt eine Kaltfront schneller als gedacht und so müssen wir im Morgengrauen noch mühsam gegen Wind und im Regen kreuzen, um in die 10 sm vor uns liegende die Bucht zu gelangen. In einer ruhigen Bucht mit grossz
ügigen Ferien-häusern gehen wir vor Anker. Runaway ist vor uns da, Stefan hat nicht verlangsamt, er kennt das Revier von früheren Reisen und ahnte, dass die Front schneller kommen würde. Eine einzige Yacht ist schon seit Tagen hier, die Orca mit Udo (D) und Ann (S) auf ihrer Reincke, sie sind auch auf dem Weg nach Buenos Aires, wir kennen sie seit Itaparica. Wir liegen schliesslich mit 5 Booten hier vor Anker und damit habe ich gute Gesellschaft zu meinem Geburtstag.

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Die Landschaft hier ähnelt sehr den schwedischen Westschären, mit ihren glatten, runden Granitfelsen. Es gibt bei Niedrigwasser flache Pools mit Muscheln und allerlei Getier.

Erstkrebswanderung.JPG bei näherem Hinsehen entdecken wir alles bewegt sich: Seeanemonen Einsiedlerkrebse mit Schalen auf dem Rücken, kleine Fische, Seeigel und sogar ein Seestern, der sich drohend aufrichtet.

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Als es dunkel wird, treffen wir Vater und Sohn die vom Schnorcheln kommen und einige Fische gespeert haben. Wir bewundern die schönen Farben und bekommen prompt 4 Stück geschenkt, die kurz danach in unserer Pfanne einen gar köstlichen Duft verbreiten…

 

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Freitag 30.03.

Mein Geburtstag beginnt mit Schwimmen (hatte ich noch nicht so oft) und einem leckeren Frühstück im Cockpit. Danach unternehmen wir einen ausgedehnten Strandspaziergang zur Erkundung eines geeigneten Ortes für meine Geburtstagsstrandparty. Nachdem wir am ersten Strand beinahe mit dem Dinghi in der Brandung kentern, finden wir schnell eine kleine Landzunge mit Felsen zum sandfreien Sitzen und sicheren Anlanden.

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Etwas versteckt entdecken wir in der nächsten Bucht ein leer stehendes Atelierhaus mit zahlreichen gravierten Granitplatten auf dem verwilderten Grundstück. Große verglaste Front direkt zum Meer, ein großer Raum mit hohem Mittelteil und offenen Deckenbalken, ein großer Garten drumherum und der Strand mit Ankerbucht direkt vor der großen Terrasse – sozusagen mein Traumatelier, ein echtes Geburtstagsgeschenk. Leider steht es wegen eines Rechtsstreits seit langem leer und verfällt langsam.

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Nach eiligen Vorbereitungen, Pastasalat, Guacamole, Vanillepudding und einem großen  Kochtopf voll Caipirinha, treffen wir uns vor Sonnenuntergang mit den anderen Crews zur Strandparty. Alle bringen noch etwas Leckeres mit und es wird ein wunderbarer Abend.       

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One Response to “22. Bericht – Es geht weiter – von Salvador bis Guarapari”

  1. Anja und Anna sagt:

    Hallo ihr Lieben,
    wirklich schöne Strände und tolle „Seegetierfotos“
    viel Vergnügen weiterhin!
    Viele Grüße aus Lüneburg/Anja

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